Ein Text aus dem Workshop

Der spanische Tanzkurs
Vanessa Thamke, 12 Jahre

"Julia", rief Lisa, "wir kommen zu spät zum spanischen Tanzkurs!" "Ich komm ja schon", sagte Julia.
Julia und Lisa waren die besten Freundinnen. Sie unternahmen einfach alles zusammen. Auch diesen Tanzkurs.
Sie standen vor der großen Tür. "Puh, zu spät", keuchte Lisa, als sie auf die Uhr sah. "Komm schnell rein."
Als sie sich fertig umgezogen hatten, gingen sie in den Tanzsaal und waren begeistert. Überall Tänzer in wunderschönen, glitzernden und bunten Kostümen. Einer kam tanzend auf sie zu. Er tanzte, er schwebte durch den riesigen Saal. Francesco war sehr schlank und hatte schwarze Haare. Seine dunkelbraunen Augen strahlten die Mädchen an.
"Ihr müsst Julia und Lisa sein?" fragte er sie. "Ja" antworteten sie gleichzeitig.
"Ich heiße Francesco. Folgt mir bitte", forderte er sie auf. Die beiden nickten nur fassungslos.
"Also, meine Damen, zunächst werde ich euch die einfacheren Schritte beibringen. Vor, zurück und rechts und links - danke, das war schon recht gut. So und gleich noch einmal."
Sie übten diese Schritte stundenlang , bis sie nicht mehr konnten.
Am Abend waren sie so müde, dass sie sofort einschliefen. Aber sie träumten von spanischen Tänzern und von Francesco.
Als sie zwei Tage später wieder beim Tanzkurs waren, strengten sie sich besonders an. Sie wollten vor den anderen guten Tänzern nicht doof da stehen.
Nach einigen Wochen Tanzunterricht begannen die Freundinnen zu streiten, wer besser sei und wen Francesco mehr möge. Das war gar nicht so leicht zu sagen, denn Francesco lobte beide auffallend häufig. Außerdem flirtete er mit ihnen. Um ihm zu gefallen zogen sich Julia und Lisa besonders schön an. Sie schminkten sich sogar. Julia begann weniger zu essen. Sie wollte schlanker sein für ihn.

Damit ging eine Freundschaft kaputt. Und das wusste Francesco. Denn den einen Tag küsste er Julia zum Abschied auf die Wange und am anderen Tag Lisa, ohne die jeweils andere zu beachten.

Doch Julia und Lisa merkten nicht einmal, dass er alles zerstörte, denn sie waren blind vor Stolz, die Bessere zu sein. Alles andere war ihnen egal.

Nach ungefähr fünf Monaten hörte Francesco auf Unterricht zu geben. Die Mädchen beschuldigten sich gegenseitig, der Auslöser dafür zu sein. Da Francesco ihnen nicht den Grund für sein Gehen erklärte. Die Mädchen brauchten jemanden, dem sie die Schuld in die Schuhe schieben konnten.
Es ging so weit, dass sie nicht einmal mehr miteinander reden konnten. Ihre jahrelange Freundschaft war zerstört.
Nach einer Weile merkten die beiden, dass sie nicht nur Francesco vermissten, sondern das es viel mehr die Freundin war, die ihnen fehlte. Die Sache mit Francesco war eigentlich vollkommen unwichtig. Sie vermissten sich und das so stark, dass sie sich eines Tages weinend in den Armen lagen.

Vorbereitung aufs Kinderfest: Training Reportagetechnik

Hanns Isabella und Euandra

Wiebke und Fabian Wiebke Eden und Jutta Michaud freuten sich. Zum 2. Schreibworkshop fanden sich diesmal 13 Kinder ein! Zu den "alten Hasen" aus Runde 1 gesellten sich Fabian, Euandra, Jessica und Antonia. Und wieder wurde es ein spannender Nachmittag, geprägt von entspannter, fröhlicher Arbeitsatmosphäre.

Diesmal stand das Thema "Reportagetechnik" auf dem Programm, denn immerhin möchten acht Mädchen und Jungen am kommenden Wochenende schriftlich festhalten, wie es beim Kinderfest der SEND zugeht.

Eine bunte Themenmischung soll dabei herauskommen, in der ganz unterschiedliche Textarten unter einen Hut gebracht werden dürfen: Sinnliche Beschreibungen der Ereignisse und Akteure, interessante Interviews mit Künstlern, Gästen, Organisatoren, eigene Meinungen, Empfindungen und Eindrücke. Damit das gelingen kann, benötigt man ein wenig "Handwerkszeug". Die Beschäftigung mit unterschiedlichen Stilmitteln stand daher diesmal im Vordergrund.

Über die Sinne und deren Bedeutung für das Schreiben hatte sich zuvor niemand Gedanken gemacht - dabei wird eine Geschichte um so lebhafter, je mehr der Verfasser in der Lage ist, mit Worten zu malen, Gefühle in Worte zu legen, Geschehnisse zu verdichten.

Ein Stiefel Wie man sich darauf einstellt und wie man vor allem seine eigenen Sinne schärfen kann, wurde eingehend geübt. Wie kann man sich von der Beschreibung eines Gegenstandes zu einer Geschichte inspirieren lassen? Wie kann man sich durch eine kleine Traumreise auf ein Ereignis einstellen, über das man berichten möchte? Welche Körperübungen sind hilfreich, um ein träges Gehirn zur Arbeit zu bewegen? Was versteht man und "starken Verben" und was bewirkt ihr Einsatz?

Manches klang zunächst einmal etwas merkwürdig, doch erstaunt registrierten die jungen Nachwuchsreporter, dass nach ein wenig Training ganz andere Texte entstehen können als zuvor.

Jessica und Antonia Zum Schluss stand die Kunst des Redigierens auf dem Programm, das systematische Durcharbeiten, Überprüfen und Verbessern der Texte mittels der unterschiedlichen Stilmittel, mit denen wir uns im Workshop beschäftigt haben. Und die Frage, welche Überschriften zum Lesen verlocken.

Nächste Woche wird werden unsere Nachwuchsreporter an dieser Stelle ihr Forum finden. Wir freuen uns schon auf viele bunte Texte!

Ps:
Auf vielfachen Wunsch haben wir beschlossen, weitere Workshops anzubieten. Die nächsten Termine werden wir an dieser Stelle und in der Presse bekannt geben. Also: Immer mal wieder reinschauen!