Tagebuchschreiben - sich selbst neu entdecken

Unter diesem Motto stand das letzte Schreibgruppentreffen dieses Jahres. Kein wirklich leichtes Thema, denn Texte über sich selber schreiben und diese auch noch vorzulesen, erfordert schon ein wenig Mut und Vertrauen in die Gruppenregeln: Privates bleibt privat und in den Schreibgruppenräumen, jede Äußerung wird akzeptiert, die Gruppenteilnehmer ermutigen sich gegenseitig, ihre Stärken zu entdecken und zu pflegen. Und jedes Schreibgruppenmitglied entscheidet selbst, welchen Text es vorlesen möchte.

Mit Fabian durften wir ein neues Gruppenmitglied begrüßen. Zunächst stand er dem Treffen etwas skeptisch gegenüber, denn seine Mutter hatte ihn zur Teilnahme überredet. Zum Glück war er schnell überzeugt, dass es hier nicht wie in der Schule zugeht: Niemand steht unter Bewertungsstress, Schönschrift und Fehlerzahl interessieren nicht. Außerdem stehen für jedes Thema unterschiedliche Schreibaufgaben und Methoden zur Auswahl. Die Freude am Schreiben steht im Mittelpunkt.

Was aber macht man genau in einer Schreibgruppe, die sich mit Tagebuchschreiben beschäftigt?

Man "befragt" die eigene Lebensgeschichte: Wie wurde ich zu der Person, die ich gerade bin? Wie möchte ich gerne sein, welche Stärken stecken in mir und wie kann ich sie nutzen, um meine Ziele zu erreichen? Wie kann ich schöne Erfahrungen nutzen, um traurige Momente zu überstehen, Ärger, Wut und Verzweiflung herauslassen, ohne anderen weh zu tun?

Beim Finden von Antworten helfen Techniken des biographischen Schreibens. Das sind kleine und größeren Schreibaufgaben, die Erinnerungen und Gefühle frei setzen, aber auch dazu anregen, Situationen einmal aus völlig anderen Perspektiven zu betrachten. Dabei darf auch gemalt werden. Nebenbei wird auch geübt, eigene Erlebnisse so "umzustricken" dass komplette Geschichten dabei herauskommen.

Zum Schluss waren sich alle einig, beim nächsten Treffen weiter forschen zu wollen. So viel sei verraten: Es gibt noch viel zu entdecken!