Texte aus dem Workshop

Leonardos Lächeln
von Christina Klotz

Der Tag begann wie jeder andere. Tims großer Bruder Georg riss wieder einen seiner blöden Witze. Tim wollte eigentlich lachen, konnte aber nicht. Das lag daran, dass er seit seiner Geburt noch nie gelacht hatte. Allen Ärzten war es unerklärlich gewesen und deshalb lebte er jetzt ohne Lachen. Die einzige Hoffnung war sein Freund, der etwas verrückte Professor Vielstein, der im Museum arbeitete.

So verging nun der Vormittag und am Nachmittag besuchte er Vielstein. Er begrüßte Tim mit einem Lächeln auf den Lippen. "Stell dir vor", sagte er, "ich habe etwas gefunden und gleichzeitig kannst du dabei auch meine Zeitmaschine testen." "Ich?", stotterte Tim, denn der Gedanke an die Zeitmaschine ließ ihn erschauern. Die Zeitmaschine sah nämlich eher wie ein Trümmerhaufen aus.

"Du musst entweder in Leonardo da Vincis zeit reisen und die Mona Lisa oder Picassos erstes kubistisches Bild klauen", erklärte der Professor. "Und was ist gefährlicher?", fragte Tim. "Die Mona Lisa", antwortete Vielstein. "Aber steig jetzt erst einmal in die Zeitmaschine und dann geht´s ja wahrscheinlich zu Picasso." Tim bejahte und stieg ein.

Als der Professor ihm alles erzählt hatte, ging es los. Er musste es innerhalb von 12 Stunden geschafft haben und wieder am Ausgangspunkt zurück sein. So ging die Reise los, bloß hatte Vielstein Da Vincis Zeit eingegeben. Daher landete Tim im alten Venedig.

Als er die Leute nach dem Namen der Stadt und dem Jahr fragte, blieb ihm fast das Herz stehen. Doch fasste Tim sich schnell, da er ja nicht viel Zeit hatte. Er begann mit der Suche nach dem Haus des Künstlers.

Nach einer Weile hatte er es gefunden. Auf den ersten Blick unscheinbar, aber dann sah er die ganzen Polizisten. Tim näherte sich und klingelte. Der Künstler kam heraus und lächelte breit. "Ach, der bestellte Wachdienst!" Tim wandte nichts ein, denn er hatte schon eine Idee. Als sie reingingen, zeigte ihm Da Vinci seine ganzen Bilder. Die Mona Lisa war in einer verschlossenen Truhe.

Etwas später gab er Tim den Schlüssel und ging schlafen. Tim wartete noch eine Weile, dann schloss er die Truhe auf. Er fand, die Mona Lisa würde viel mehr lächeln, als auf den Bildern, die der kannte. Tim klemmte sie sich unter den Arm und rannte los. Das hörte Da Vinci und schaute in die leere Truhe. Den Wachleuten sagte er nichts, denn er wollte, dass es geheim bliebe.

Die Hetzjagd durch ganz Venedig dauerte die ganze Nacht. Am Morgen erreichte Tim den Ort, guckte auf die Uhr und -schwupp!- war er wieder im Strudel der Zeit. Da Vinci fluchte und malte wieder eine neue Mona Lisa.

Tim hatte nach der Reise erst einmal ein paar Fragen an Vielstein. Das Gemälde hatte sich nämlich aufgelöst, als er im Strudel war. "Du kannst trotzdem lachen", sagte Vielstein und erzählte Tim einen Witz. Und tatsächlich, er musste anfangen zu lachen!

Aber dann fiel Tim wieder etwas ein. "Warum lächelte die Mona Lisa, die ich gestohlen habe, mehr?" "Weil er noch eine gemalt hat, nachdem du sie ihm geklaut hast. Aber sie konnte nicht mehr so viel lächeln, da d u ihr etwas "geklaut" hast. Und auch Da Vinci soll wohl plötzlich nicht mehr so lustig gewesen sein."

Von diesem Tag an lachte er immer mit seinen Klassenkameraden und über Georgs Witze.


Die lebenden Spaghetti
von Vanessa Thamke

Der kleine Jan aß am allerliebsten Spaghetti.
"Mama, machst du mir Spaghetti?"
"Nein Jan, es gab schon zum Frühstück und zum Mittag welche."
"Das ist gemein!"
"Na gut, erst mal hoch und spiel ein bisschen, dann mach´ ich dir welche."
"Oh, super!" rief Jan und lief die Treppe hoch.

Beim Essen erzählte die Mutter, dass er morgen einen Kindersitter bekommen würde, da sie und Papa ins Kino gehen wollten.
"Wer ist es denn?", fragte Jan. "Es ist Frau Grundmann von nebenan."

Jan hätte heulen können. Diese blöde Kuh! "Muss das denn sein?" fragte Jan.
"Ja, und außerdem ist sie sehr nett," antwortete die Mutter. "Sie macht dir auch Spaghetti."
"Na gut", maulte Jan, obwohl er am liebsten widersprochen hätte.

Am nächsten Abend machten Mama und Papa sich auf den Weg ins Kino.
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Jan hätte sich am liebsten im Schrank eingeschlossen.
"Guten Abend, Frau Grundmann", hörte er seine Mutter sagen. "Jan sitzt in der Küche", sagte seine Mutter. "Machen sie ihm doch bitte Spaghetti".

"Aber natürlich mache ich das", sagte Frau Grundmann.
"Na denn: Tschüss ihr beiden", sagten Mama und Papa. Es war kurz nach sechs als die Tür hinter den beiden zuknallte.

"Na komm schon, du kleiner Bengel," sagte Frau Grundmann. "Dann mach ich dir eben Spaghetti," sagte sie missmutig.
Jan hatte auf einmal keinen Hunger mehr. Doch er wollte Frau Grundmann nicht noch mehr in Rage bringen.

Als die Spaghetti fertig waren, setzte sie sich vor den Fernseher und sagte: "Aufessen und dann ins Bett."
Er machte sich daran, die Spaghetti zu essen, doch auf einmal merkte er, dass sie lebten!
Er schrie und rannte in sein Zimmer.
"Jan, was ist los mit dir?"
Mama war über ihn gebeugt, denn er lag in seinem Bett. Es war also alles nur ein Traum.


Wie unsere Kinderreporter das Kinderfest erlebten

Als Abordnung der Teilnehmer am Schreibworkshop mit Wiebke Eden und Jutta Michaud haben Marcella, Diana, Jessica, Vanessa, Sandra und Euandra das fröhliche Treiben beobachtet und festgehalten. Die ersten Texte sind schon da, weitere werden erwartet.

Clown Kaily zeigte seine Künste
Von unserer Korrespondentin Euandra Budke

Das Kinderfest am 12.6.05 in Neu-Döberitz war ein voller Erfolg.

"Besonders lustig fand ich den Clown", sagte ein kleines Mädchen. Einige Jungen fanden das Klettern am besten. Auch das Feuerwehrauto war ein echter Hit. Ein Feuerwehrmann:" Mir macht es immer wieder Spaß, mit den Kindern eine Rundfahrt zu machen."

Es gab auch eine Verlosung. Zu gewinnen gab es: ein Tischfußballspiel, Schnappis kleinen Bruder und einen Superspringball. Die glücklichen Gewinner: " Wir waren über den Gewinn sehr überrascht."

Auch der Clown Kaily fand die Verlosung toll. "Aber am besten war doch wohl meine Show?", meinte er. "Jaaaaa..." riefen die Kinder einstimmig. "Er kann lustige Witze erzählen!" meinte ein fünfjähriger Junge. Hoffentlich kommt der Clown im nächsten Jahr wieder nach Dallgow-Döberitz.

Interview mit einem Clown
Unsere Korrespondentin Vanessa Thamke berichtet

Ungefähr 15 Kinder sitzen begeistert im Halbkreis: Auch die Erwachsenen bringt der siebenjährige Vincent mit seinen Frage-Witzen zum Lachen. Aufgefordert hat ihn der Clown Kaily. Er erzählt den Kindern von seiner schlimmen Lage, denn er ist ganz allein im Zirkus. Nun müssen die Kinder ran. Sie dürfen zeigen, was sie können. Hoola-Hoop, singen oder Witze erzählen. Alle machen mit.

Ich würde dem Clown gerne ein paar Fragen stellen, doch er steht schon seit fast zwei Stunden da und bringt Kinder und Eltern zum Lachen - und er macht keine Pause. Endlich hat er kurz Zeit für mich. Nun bin ich an der Reihe, ihm meine Fragen zu stellen. Ich frage einfach drauf los.
"Was würden Sie tun, wenn die Kinder nicht mitspielen würden?"
Er tut so, als ob er ganz wütend werden würde. "Ich würde ausrasten, verrückt werden, mir die Haare rausreißen und heulen."
Das finden die Zuschauer sehr lustig.
Als er sich wieder beruhigt hat, kann ich weiter machen.
"Woher nehmen Sie ihre Ideen?"
Diesmal antwortet er ganz normal. "Ich gehe auf die Straße und schaue mir einfach nur die Leute an und beobachte sie."
Mich interessiert, ob so ein Clown auch einen anderen Beruf hat. Kaily hat keinen. Er ist Tag und Nacht Clown.
Eine letzte Frage habe ich dann doch noch. "Haben Sie Vorbilder in Sachen Comedy?"
"Es gibt sehr viele, sehr gute Komiker, ich habe viele Vorbilder."

Und dann verschwindet er und holt wieder ein Kind in die Manege.

Das Fest
Von Marcella Born

Am 12.6.05 fand ein Kinderfest statt.
Hmmm, diese Leckereien rochen wie, wie, einfach unbeschreiblich!
Auch die Farben kamen nicht zu kurz. Überall, wo man schaute, gab´s tolle Burgen und Stände. Man kann es kaum glauben, aber schon von weitem sah und vor allem hörte man das tolle Fest. Viele, viele Stände schmückten den Platz.
Alle Burgen bestieg und nahm ich genau unter die Lupe. Ich hatte so Angst, denn das Wetter war nicht unbedingt das Beste.
Doch zum Schluss war es einfach nur sonnig, warm und schön.


Der spanische Tanzkurs
Vanessa Thamke, 12 Jahre

"Julia", rief Lisa, "wir kommen zu spät zum spanischen Tanzkurs!" "Ich komm ja schon", sagte Julia.
Julia und Lisa waren die besten Freundinnen. Sie unternahmen einfach alles zusammen. Auch diesen Tanzkurs.
Sie standen vor der großen Tür. "Puh, zu spät", keuchte Lisa, als sie auf die Uhr sah. "Komm schnell rein."
Als sie sich fertig umgezogen hatten, gingen sie in den Tanzsaal und waren begeistert. Überall Tänzer in wunderschönen, glitzernden und bunten Kostümen. Einer kam tanzend auf sie zu. Er tanzte, er schwebte durch den riesigen Saal. Francesco war sehr schlank und hatte schwarze Haare. Seine dunkelbraunen Augen strahlten die Mädchen an.
"Ihr müsst Julia und Lisa sein?" fragte er sie. "Ja" antworteten sie gleichzeitig.
"Ich heiße Francesco. Folgt mir bitte", forderte er sie auf. Die beiden nickten nur fassungslos.
"Also, meine Damen, zunächst werde ich euch die einfacheren Schritte beibringen. Vor, zurück und rechts und links - danke, das war schon recht gut. So und gleich noch einmal."
Sie übten diese Schritte stundenlang , bis sie nicht mehr konnten.
Am Abend waren sie so müde, dass sie sofort einschliefen. Aber sie träumten von spanischen Tänzern und von Francesco.
Als sie zwei Tage später wieder beim Tanzkurs waren, strengten sie sich besonders an. Sie wollten vor den anderen guten Tänzern nicht doof da stehen.
Nach einigen Wochen Tanzunterricht begannen die Freundinnen zu streiten, wer besser sei und wen Francesco mehr möge. Das war gar nicht so leicht zu sagen, denn Francesco lobte beide auffallend häufig. Außerdem flirtete er mit ihnen. Um ihm zu gefallen zogen sich Julia und Lisa besonders schön an. Sie schminkten sich sogar. Julia begann weniger zu essen. Sie wollte schlanker sein für ihn.

Damit ging eine Freundschaft kaputt. Und das wusste Francesco. Denn den einen Tag küsste er Julia zum Abschied auf die Wange und am anderen Tag Lisa, ohne die jeweils andere zu beachten.

Doch Julia und Lisa merkten nicht einmal, dass er alles zerstörte, denn sie waren blind vor Stolz, die Bessere zu sein. Alles andere war ihnen egal.

Nach ungefähr fünf Monaten hörte Francesco auf Unterricht zu geben. Die Mädchen beschuldigten sich gegenseitig, der Auslöser dafür zu sein. Da Francesco ihnen nicht den Grund für sein Gehen erklärte. Die Mädchen brauchten jemanden, dem sie die Schuld in die Schuhe schieben konnten.
Es ging so weit, dass sie nicht einmal mehr miteinander reden konnten. Ihre jahrelange Freundschaft war zerstört.
Nach einer Weile merkten die beiden, dass sie nicht nur Francesco vermissten, sondern das es viel mehr die Freundin war, die ihnen fehlte. Die Sache mit Francesco war eigentlich vollkommen unwichtig. Sie vermissten sich und das so stark, dass sie sich eines Tages weinend in den Armen lagen.


Buchbesprechungen

Ausgelost
Vanessa Thamke, 12 Jahre
Jedes Jahr wird an der Saskooner High School ein Schüler als "Lotteriegewinner" ausgelost. Doch das ist nichts Gutes. Er wird ein Jahr lang nicht beachtet und er muss Aufgaben lösen die das selbst-ernannte Schattenkomitee ihm aufträgt.
Dieses Jahr wird Sally ausgelost. Wird sie das Jahr durchhalten? Und werden ihre Freunde zu ihr halten? Es geht um Freundschaft, Stolz und Ehre.
Außerdem zeigt dieses Buch das man immer jemanden braucht mit dem man reden kann und der an einen glaubt.
Autorin: Beth Goobie
Titel: Ausgelost
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag

Emilys Geheimnis
Alyse Michaud, 11 Jahre
Könnt ihr ein Geheimnis bewahren?
Ich weiß, dass jeder Geheimnisse hat, aber Emilys ist anders.
Angefangen hat alles in der siebten Klasse, als Emily endlich am Schwimmunterricht teilnehmen durfte. Vorher hatte ihre Mum es ihr immer verboten. Kaum war sie im Wasser, da passierte es: Sie verwandelt sich in ein Meermädchen! Als sie dann auch noch Shona kennen lernt, verändert sich ihr Leben schlagartig.
Liz Kessler hat dieses Buch mit viel Fantasie geschrieben. Mir gefällt besonders, wie sie Emilys Gefühle ausdrückt und spannend ihre Erlebnisse beschreibt.
Autorin: Liz Kessler
Titel: Emilys Geheimnis
Verlag: Fischer Schatzinsel, ISBN 3-596-851 59-9

Molly Moon
Jessica Hornemann, 12 Jahre
Molly Moon ist der erste Band der zweiteiligen Buchreihe von Georgia Byng. Dieses Buch ist sehr spannend und witzig, genau wie Molly, die aber auch sehr frech sein kann.
Molly wohnt in einem Waisenhaus, das nicht gerade ein Vermögen besitzt. Als sie herausfindet, dass sie eine besondere Fähigkeit besitzt und ihr bester Freund Rocky adoptiert wird, beginnt für sie ein großes Abenteuer.
Es könnte sein, dass es noch mehrere Bücher geben wird.
Autorin: Georgia Byng
Titel: Molly Moon
Verlag: Hanser, ISBN: 3-446-20 297-8


Zwei Texte zum "Tag des offenen Denkmals"

Hinter dem Tor
Jessica Hormemann, 13 Jahre
Es war 1940 und Laura, ein 13jähriges Mädchen, lebte mitten im 2. Weltkrieg allein mit ihrer Mutter in einem kleinen Haus in Dallgow-Döberitz.

Wo ihr Vater war, wusste sie nicht und ihre Mutter hatte es ihr verschwiegen. Wenn sie nach ihm fragte, hatte sie immer gesagt, dass er sie verlassen hatte, als Laura geboren wurde. Eines nachmittags, Laura kam gerade vom Einkaufen, sah sie einen Weg, den sie eigentlich noch nie beachtet hatte. Aber jetzt wurde sie neugierig und ging den Weg entlang. Der Weg war nicht lang, denn ein Zaun versperrte ihn. Davon ließ sich Laura aber nicht abhängen. Sie folgte dem Zaun und wenig später kam sie zu einem großen Tor. Dahinter war alles verwüstet und jede Menge Männer in Uniform liefen mit Waffen umher. Doch plötzlich sah ein Mann sie und sagte: "He, Kleine, verschwinde hier!" und ging weiter.

Laura hörte nicht, aber ein paar Minuten später: Ein lauter Schuss! Laura erschrak und rannte los. Sie rannte und rannte immer schneller, als sie endlich zu Hause war, war sie ganz bleich im Gesicht. Ihre Mutter bemerkte es sofort und Laura musste die ganze Geschichte vom Schuss erzählen. Danach wurde ihre Mutter ganz still und dann sagte sie: " Laura, Schatz, da wo du heute warst, ist dein Vater." "Was? Da ist mein Vater?" fragte Laura. "Ja, aber ich verbiete dir, noch einmal dorthin zu gehen!" "Kann ich wenigstens ein Foto von Papa haben?" fragte Laura. Dann wühlte ihre Mutter in einer Kiste herum und gab Laura ein altes Foto.

Damit ging Laura in ihr Zimmer und sagte: "ich werde doch noch mal da hin gehen."

Zwei Tage später, es war gerade 10 nach 8 Uhr, schlich sich Laura aus dem Haus. Als sie am Tor war, kam eine Truppe und ein Mann sah sie und wollte sie wegscheuchen, da zeigte sie ihm das Foto von ihrem Vater. Der Mann kam sofort angerannt, schaute sich das Foto an und sagte: "Ich glaub es nicht, du bist meine Tochter!" "Was, du bis...?" "Ja, ich bin dein Vater", sagte er. Als ihr Vater das sagte, hatte Laura ein komisches Gefühl, das mit Trauer und Freude zu tun hatte - aber sie war auch sauer, dass ihre Mutter sie belogen hatte.

Aber dann fiel ein Schuss und ihr Vater sagte: "Verschwinde, schnell!"

Laura rannte weg, natürlich sofort nach Hause und seitdem sah sie ihren Vater nie wieder.

Kriegskind
Christina Klotz, 12 Jahre
Das kleine Mädchen stand am Zaun zum Truppenübungsplatz. Sie staunte über all die großen Leute mit Waffen. Doch als einer von ihnen in Richtung Zaun kam, rannte sie weg.

Das kleine Mädchen hieß Lisa, wohnte in Dallgow und hatte einen großen Bruder. Sie war 5 Jahre alt und lebte mitten im 2. Weltkrieg.

Nachmittags, wenn sie mit anderen Kindern spielte, gingen sie oft zum Zaun. Hinter diesem Zaun übten die deutschen Soldaten. Da es gerade Winter war, sah man dort weniger Menschen. Die Soldaten flößten Lisa Angst ein. Auch mussten sie oft in den Bunker. Lisa mochte es nicht, danach die ganzen zerbombten Gebäude und überall die Toten und Verletzten zu sehen. Bisher hatte es sie noch nicht getroffen.

Es war Anfang Januar 1944 und Lisa kam gerade vom Spielen nach Hause. "Na, habt ihr Spaß gehabt?" fragte Lisas Mutter. "Ja", antwortete Lisa, "aber was ist mit dem Brief, den Papa bekommen hat?" "Er muss wahrscheinlich zur Armee", sagte Lisas Mutter mit einem Seufzer. Lisa zuckte zusammen, sie hatte doch so sehr gehofft, dass er nicht zur Armee muss. Doch jetzt musste er wohl. Lisa ging hoch und spielte mit ihren Bauklötzen.

Am nächsten Morgen verabschiedete sie sich und ging zu ihrer Freundin. Ihren Vater würde sie erst einmal nicht wiedersehen. Deshalb war ihre Stimmung die ganze Woche lang bedrückt. Nach zwei Wochen gab ihre Mutter ihr einen Korb und sagte, sie solle zum Zaun des Truppenübungsplatzes gehen. Dort werde ihr Vater auf sie warten. Sofort rannte Lisa los. Als sie am Zaun war, sah sie ihren Vater sofort. Er bedankte sich bei ihr und gab ihr einen Kuss. Ab jetzt schickte ihre Mutter Lisa einmal in der Woche zum Zaun. Das ging bis Ende Februar. Sie war gerade richtig zufrieden mit sich und der Welt, als ihre Mutter ihr sagte, dass ihr Vater in die Schlacht ziehen musste. Alle waren bedrückt und selbst Lisas großer Bruder, der sonst immer fröhlich war, schwieg.

Nach einem Monat kamen die Truppen wieder. Lisas Vater wirkte zwar erschöpft, lebte aber. Dies löste große Erleichterung aus. Lisa konnte sich endlich wieder auf ihr Leben konzentrieren und am Zaun ihren Vater treffen.

Es schien alles friedlich bis zum 11. April 1944. Lisa wollte gerade spielen gehen, da läutete die Alarmglocke. Schnell musste sie in einen Bunker. Sie schaffte es noch, aber da sah man auch schon die Flugzeuge. Man hörte, wie die Bomben einschlugen und dann Totenstille. Als sie wieder heraus kam, sah sie, was geschehen war. Einige Gebäude waren zerstört und überall roch es nach Rauch. Viele Leute weinten. Bald war klar, wer gestorben war. Darunter war auch Lisas beste Freundin, die auch gerade losgehen wollte.

Nach diesem Angriff wurden wieder Truppen ausgeschickt und auch Lisas Vater. Währenddessen waren Lisa und ihr Bruder zuhause. Sie durften nur noch selten nach draußen, wegen der Gefahr von Angriffen. Anfang Juni kamen die Truppen wieder. Aber diesmal hatte Lisas Vater nicht überlebt. Sein Name wurde nach dem Krieg auf eine Tafel eingraviert.

Es wurden immer weniger Soldaten. Deshalb musste man ab September 1944 mit 14 Jahren an die Front. Dieses Schicksal traf auch Lisas Bruder. Jetzt musste auch er gehen. Lisa brachte ihm immer die Körbe mit Essen, hatte aber auch Angst um ihn. Im Oktober schlugen viele Bomben ein. Nur noch wenige Häuser standen. Dann musste Lisas Bruder gehen. Sie bangte um ihn und dachte an die schöne Zeit, als sie im Schwanengraben baden waren. Ihrer Mutter erging es nicht viel besser. Dann kamen die Truppen wieder. Ohne Lisas Bruder. Er war in russischer Kriegsgefangenschaft gefallen.

In Dallgow standen inzwischen nur noch wenige Häuser. Immer mehr Krankheiten breiteten sich aus. Auch Lisas Mutter erkrankte an der Grippe, aber sie wurde geheilt. Die Russen kamen näher. Dann erkrankte auch Lisa an Typhus. Aber es gab nur noch wenige Medikamente, so musste sie warten. Draußen wurde es wärmer, aber Lisa wurde nicht gesund. Im April, kurz vor Kriegsende, starb sie.

Den Frieden hat sie nie erlebt.