Wenn eine Buche umzieht

Dallgow-Döberitz. "Alte Bäume soll man nicht verpflanzen" lautet eine Volksweisheit. Unbeeindruckt davon ging vor einigen Tagen eine 60jährige Buche auf die Reise. Start: Eine Baumschule in Tremmen, Ziel: Egelpfuhlpark, Neu Döberitz.

In Tremmen Auch wenn das Reisziel der Blutbuche erst vor einem Jahr fixiert worden war, so hatte der Baum im Laufe seines Lebens bereits eine Reihe von Verpflanzungen hinter sich bringen müssen. Mittels regelmäßiger "Verschulung" war er auf seinen Umzug vorbereitet worden. "Verschulung" nennen es die Fachleute, wenn ein Baum alle sieben Jahre umgepflanzt wird, um das Ballenwachstum zu fördern und dem angestrebten Ausbildungsziel "Solitär" näher zu kommen. Ein Solitär ist ein wertvoller, frei stehender Baum mit einer imposanten Blätterkrone. In diesem Fall wird das weit auslandende Blätterdach im Herbstlicht blutrot leuchten.

Ein solches Schönheitsideal ist in der Natur nur selten zu erreichen, denn dicht an dicht stehen die Bäume im Wald. In der Baumschule hingegen wird die einengende Berührung mit den Kronen benachbarter Bäume systematisch ausgeschlossen -durch regelmäßiges Umsetzen der "Schüler".

Nach 60 Jahren in der Baumschule ist die Blutbuche, von der hier die Rede ist, auf eine stattliche Höhe von ca. 15m gewachsen und bringt es auf einen Stammumfang von ca. 90 cm. Ihr Umzug nach Neu Döberitz wurde im Juni 2005 beschlossen.

Damals hatten sich die Gemeindeverwaltung von Dallgow-Döberitz und die Stadtentwicklungsgesellschaft Neu Döberitz mbH (SEND) darauf verständigt, eine Ausgleichs- und Ersatzpflanzung für gefällte Bäumen durch ein besonders wertvolles Exemplar zu kompensieren, das am höchsten Punkt des Egelpfuhlparks gepflanzt werden sollte.

Für die Blutbuche begannen die Umzugsvorbereitungen: Ballenpflege, spezielle Nährstoff- und Düngervergaben.

vorbereitet los ... weiter

Im Morgengrauen ging es schließlich los. Vier kräftige Männer waren geschlagene fünf Stunden damit beschäftigt, den Baum auszugraben, mit dicken Karabinerhaken zu vertäuen und mit schwerem, schwedischem Qualitätsgerät nach Neu Döberitz zu befördern. Dort wurde erneut gebuddelt: 1,50m in die Tiefe, auf einer Fläche von 5x5 Metern. Ein Mobilkran brachte die Buche schließlich in die endgültige Position. Dort steht sie nun, gesichert mit Erdankern und Seilspannern, den Stamm ummantelt mit schützendem Schilfrohrgeflecht. Nach einem Umzug ist der Stamm besonders anfällig gegen Schädlingsbefall und Hundeurin.

starke Männer Verpackungskünstler Reisebeginn

Drei Jahre wird es dauern, bis der Umzug verkraftet ist. Bis dahin wird der Baum regelmäßig gewässert und einer besonderen Pflege unterzogen.

Ankunft freier Flug verpflanzt

Hundebesitzer werden gebeten, ihre Tiere von der Buche fernzuhalten. Denn wenn zu viele Beine an ihrem Stamm gehoben werden, wird man auf das rote Leuchten vergeblich warten.

vertäut zu Hause