Nach-Innen-Horchen, Gedanken fliegen lassen und los!
Tagebuchschreiben in der Schreibgruppe

Schönere Komplimente kann es für eine Gruppenleiterin kaum geben: Jessica und Vanessa fanden sich schon 30 Minuten vor Beginn des Schreibgruppentreffens in der Wilhelmstraße ein, voller Elan und Lust aufs Schreiben.
Christina überraschte wieder mit einer ausgefallenen Geschichte, die sie sich zwischen zwei Gruppentreffen hatte einfallen lassen, Neuzugang Fabian war wieder mit von der Partie und Euandra, die im Sommer bereits am Reportertraining teilgenommen hatte, gesellte sich auch wieder zu uns.

"Hier dürfen wir alles, was wir in der Schule nicht dürfen", freuten sich Jessica und Fabian zum wiederholten Male. Stimmt. Es darf gelacht und gequatscht werden, solange es gelingt, auch wieder zum Thema zurück zu finden. Vor allem darf man in der Schreibgruppe eines:

Seine Gedanken fliegen lassen. Richtig oder falsch gibt es nicht, es darf geschrieben werden, was der Gedankenfluss anschwemmt. Das klingt leichter, als es ist, denn erfolgreiche "Gedankenfischer" müssen vor allem eine Kunst beherrschen: Nach-Innen-Horchen.

Welches Medium eignet sich besser zum Üben, als das Tagebuch?
Mit einem Tagebuch kann man nämlich weit mehr anfangen, als tägliche Begebenheiten festhalten. Was? Das erarbeitet die Schreibgruppe der SEND in ihrem aktuellen Schreibzyklus.

Ein ganz persönliches Buch:
Beim jüngsten Treffen starteten wir auf Wunsch von Jessica mit der Frage, wie man ein Tagebuch zu einem "richtigen", ganz persönlichen Buch entwickeln kann. Einem Buch, auf das man sich täglich aufs Neue freut.

In Nullkommanichts wurden Ideen gesammelt, von denen hier nur einige aufgeführt seien, denn jedes Tagebuch trägt die Handschrift seines Besitzers:

Die Form:
Es kann so klein und handlich sein, das es in jeder Jackentasche Platz findet oder so groß, daß auch üppige Zeichnungen, Fotos, Eintrittskarten und sonstige Erinnerungsstücke Platz darin finden. Eckig, quadratisch, hochformatig , A-lang: Jeder hat seine speziellen Vorlieben und sollte sie nach Herzenslust ausleben.
Das Papier kann glatt oder strukturiert, rau, dick, dünn oder farbig sein - wer mit einer Ringbuchvariante arbeitet, kann die jeweilige Papierfarbe sogar der Tagesstimmung anpassen. Ob selbst gebastelt oder gekauft, die äußere Form des Tagebuchs spiegelt ein Stück Persönlichkeit des Schreibers.

Inhalte:
Erlebnisse, Sorgen, Befürchtungen, Dialoge, Streit, nie versendete Liebesbriefe oder Wutausbrüche, ausgedachte Persönlichkeiten, erlebt und erfundene Geschichten, Beratungsgespräche, Schwindeleien, Gedichte, Träume - kurz alles, was uns in den Sinn kommt, kann darin Platz finden. Und wachsen, denn Geschichten, die man einfach laufen lässt, entwickeln oft ein erstaunliches Eigenleben. Ganz schön spannend, so ein Tagebuch, man muss nur wissen, was man damit anstellen kann.

Los geht´s:
Was liegt näher zu Beginn eines Jahres, als sich zu überlegen, was es wohl bringen könnte? Gar nicht so einfach, wenn man noch nicht weiß, wohin die Reise gehen soll. Ein Tagebuch bietet z.B. auch Raum, zum Überlegen, welche Reiseziele man gerne ansteuern möchte. Oder zu fragen, wie ernst sie einem sind und was man tun kann, um das Ziel auch wirklich zu erreichen.
Wie man sich dabei selbst unterstützen kann, erschreiben wir bei einem der nächsten Treffen.

Zunächst sammelten alle ein paar Idee und brachten die wesentlichen Gedanken in Gedichtsform.
"Schneeball" heißt die Form, an der am Freitag gearbeitet wurde. Und die funktioniert so: Nach der Überschrift hat man in der 1. Zeile ein Wort, in der zweiten Zeile zwei Worte, in der 3. drei und so fort. Neue Strophen beginnen wieder mit einem Wort. Ganz schön knifflig, aber leichter als das Elfchen, befand die Schreibgruppe.

Die große Schreibaufgabe sah diesmal so aus: Aus den persönlichen Zukunftsthemen einen Aspekt aussuchen und dazu eine Geschichte schreiben. Diesmal unter Berücksichtigung der Vorgabe, sich selbst einen neuen Namen zu geben, ebenso alle Personen im Umfeld - und dann galt es zu beobachten, was passiert. Mit der Geschichte ebenso, wie mit den eigenen Handlungsweisen.

Nicht alle Geschichten wurden diesmal fertig, daher stehen einige Überraschungen noch aus. Stattdessen wurde zum Schluss überlegt, wie es inhaltlich weiter gehen soll.

Einhelliger Beschluss: Wir machen weiter mit dem Tagebuch und beginnen bald damit, kritisch an unseren Geschichten zu feilen. Und wer zwischendurch Zeit findet, versucht sich an einem Text für einen Schreibwettbewerb.

Neugierig geworden? Wir treffen uns am 10. Februar, 16.30 Uhr - 18.30 Uhr wieder in der Wilhelmstraße 4. Wer mitmachen möchte, bitte melden unter 03322- 25 49 15 oder jmichaudpr@aol.com