Das Glück steckt im Detail

"Schöne Momente konservieren, schlechte entkräften und wie man das Tagebuch dazu benutzen kann" lautete das Thema des letzten Schreibgruppentreffens.

Kleine Kätzchen Klingt praktisch, erwies sich jedoch schnell als komplizierter, als die Aufgabenstellung klingt.
Schon für die Auflistung von 10 schönen Augenblicken, Momenten oder Tagen im Leben musste einiges an Gehirnschmalz aktiviert werden! Das lag nicht etwa am traurigen Leben der Schreibgruppenmitglieder, sondern vielmehr an der Tatsache, dass kaum jemand kleine Glücksmomente auf Anhieb als solche wahrnimmt oder erinnert. Doch bei genauem Hinsehen kann eine Menge Glück in ganz alltäglichen Situationen stecken: Dem Tag der Einschulung, dem Einzug des Wellensittichs, der ersten Reitstunde, einer erfolgreichen Ballettaufführung, dem Besuch eines Konzertes oder einer Comedy Show, einem schulischen oder sportlichen Erfolg oder in einem Urlaub, an den man sich immer wieder gern erinnert.

Jenseits von spektakulären Ereignissen steckt das Glück wie vieles im Leben im Detail. Und es will entdeckt werden!

Pferdekopf Vier Stufen des kreativen Schreibens können helfen, glückliche Momente so lebendig werden zu lassen, dass sie sich anschließend zu einer Geschichte verarbeiten lassen, die man immer wieder gerne liest - im Tagebuch oder anderswo: Serielles Schreiben, visualisieren, aus der Visualisierung möglichst viele Adjektive "herausfiltern" und schließlich assoziativ schreiben. Schlechte Stimmung lässt sich mit diesen Methoden im wahrsten Sinne des Wortes "wegschreiben".

Und was ist mit den schlechten Momenten? Zum Beispiel, wenn man gemeinen Sprüchen und fiesen Angriffen ausgesetzt ist? Auch darauf kann man sich mit Hilfe des Tagebuchs wappnen.

Mit diesem Thema mussten wir uns nicht lange beschäftigen, denn alle Teilnehmer kannten und praktizierten schon eine Reihe pfiffiger Gegenstrategien. Für das spätere Schreiben von Dialogen ist es dennoch nützlich, genauer auf den Gesprächsverlauf und die Gefühlsentwicklung in solchen Situationen zu schauen, denn eine gute Geschichte wird noch besser, wenn ihre Akteure reden und fühlen wie "echte" Menschen.

Zur Entspannung gab es anschließend noch ein Schreibspiel. Und das begann so:

"In einem alten, verlassenen Schloss, liegen auf dem Fußboden der prächtigen Eingangshalle drei geheimnisvolle Zettel."

In zwei Gruppen galt es nun, eine Geschichte nach folgenden Vorgaben zu entwickeln: Jedes Gruppenmitglied schreibt einen Satz und reicht ein Blatt an das nächste weiter. Der folgende Satz muss den Faden des vorherigen aufgreifen, sodass eine geschlossene Geschichte entsteht, obwohl am Anfang keiner der beteiligten Autoren wissen kann, in welche Richtung sie sich entwickeln wird. Und um es noch ein wenig schwieriger zu machen, gab es eine Zeitvorgabe: Nach 20 Minuten sollte vorgelesen werden!

Und das ist dabei herausgekommen:

Gruppe 1: Hans Segelke und Niklas Schilling (11)

Tür zum Geheimnis "In einem alten, verlassenen Schloss, liegen auf dem Fußboden der prächtigen Eingangshalle drei geheimnisvolle Zettel."
Auf einem der Zettel steht "Hallo". Auf dem 2. Zettel steht: "Dreh´ den anderen um!" Ich tue es und sehe eine Schatzkarte. Die Karte zeigt ein Labyrinth, das im Schlosspark liegt. Zufällig sind hinter dem Zettel drei Türen. Eine muss zum Schlosspark führen, bloß welche?

Ich glaube, die Mittlere oder die Rechte. Oder doch die Linke? Ich bin am verzweifeln! Schließlich entscheide ich mich für die Mittlere. Ich gehe durch und sehe den Schlosspark. Doch was war hinter den anderen Türen?

Jetzt probiere ich die linke Tür. Doch da sehe ich, wie die Teletubbies mit Lichtschwertern gegen Darth Vader kämpfen! Weil ich Angst habe vor den Teletubbies, nehme ich die rechte Tür.

Da sehe ich eine pinkfarbene Welt, wo Micky Maus und Thomas Gottschalk Ringelreihe tanzen. Doch da alles zu unheimlich wird, nehme ich noch einmal die mittlere Tür. Ich gehe durch das Labyrinth, doch die Teletubbies verfolgen mich. Auf einmal wache ich in meinem Bett auf.

Gruppe 2: Christina Klotz (12), Jessica Hornemann (13), Vanessa Thamke (13)

Altes Schloss "In einem alten, verlassenen Schloss, liegen auf dem Fußboden der prächtigen Eingangshalle drei geheimnisvolle Zettel."
Drei verschiedene Zettel, ein gelber, ein mausgrauer, ein kotzgrüner und alle drei sehr zerfetzt. Alle waren von Geisterhand und mit Blut geschrieben. Dieser Zauber stammte vom Blutroten Baron, der ein Meister der Rätsel war.

Nun musste das Rätsel um die rätselhaften Zettel nur noch gelöst werden. Aber wie macht man das? Das war das Rätsel und der Zauber dieser Worte und keiner konnte es lösen. Bis eines Tages ein Detektiv in das Schloss kam und ein Buch über alte Rätsel fand.

Er las, dass man alle Rätsel über dieses Schloss und auch ihre Lösungen im Keller des Hauses finden könnte. Er machte sich sofort auf die Suche nach der Tür, da fiel eine Karte aus dem Buch. Auf dieser Karte waren sämtliche Fallen des Weges gekennzeichnet. Er lief trotzdem weiter und als er gerade durch eine Tür ging, die eigentlich keine Falle besitzen sollte, fiel ein schweres Beil herunter und teilte den Detektiv in der Mitte.

Das nächste Treffen für schreibbegeisterte junge Menschen findet am 28. bzw. 29.April wieder mit dem Sonderthema "Nachwuchsreporter gesucht!" statt. Dann beschäftigen wir uns in Vorbereitung des Kinderfestes am 20. Mai mit den Grundformen des journalistischen Schreibens. Bitte unbedingt anmelden und das Alter angeben, denn bei reger Beteiligung gibt es zwei Gruppen! 033 22 - 25 49 15 oder jmichaudpr@aol.com

Jessica und Vanessa