Christina
Fußballfieber
Kartenwand
Niklas und Hanns

Schreibexperimente in Zeiten des Fußballfiebers

Kein Weg führt derzeit an der FIFA-WM vorbei, ganz gleich, ob man das Spiel mag oder nicht. Was lag also näher, als einmal auszuprobieren, welche Assoziationen Fußball in der Schreibgruppe auslöst und wie man diese in kreative Textideen umsetzen kann?

Trotz brütender Hitze starteten wir mit Ballarbeit: Ein Wurf ein Wort! Innerhalb von 7 Minuten waren 150 Karten mit Begriffen aus der Welt des Fußballs beschrieben. Über Elfchen und freies Assoziieren tasteten wir uns an die Hauptarbeit heran: Ein Kurzgeschichte schreiben, in der Fußball eine Rolle spielt, den Text anschließend erst auf die Hälfte, dann auf fünf Sätze kürzen und möglichst viele Stilmerkmale einer klassischen Kurzgeschichte beachten. Was dabei heraus gekommen ist, sehen Sie hier.

Nach der Sommerpause treffen wir uns am Freitag, 18. August, wie immer um 16.30 Uhr in der Wilhelmstraße 4 zum nächsten Schreibworkshop. Neuzugänge sind herzlich willkommen. Wer zwischenzeitlich Geschichten schreiben und per e-mail besprechen lassen möchte, kann sie mir an folgende Adresse schicken: jmichaudpr@aol.com

"Autsch!"
von Jessica Hornemann

Es war das Spiel Deutschland gegen Costa Rica in Berlin, als man immer wieder nur ein "Autsch!" hörte.

Ballack schießt und "Autsch!"

Tja und ratet mal, wer das war? Natürlich ich, der Ball, der wegen jedem Schuss immer eine Beule kriegt und von seiner Frau verarztet werden muss. Aber heute reicht es mir! Heute mach ich nicht mit!

Wenig später fiel das 1. Tor für Deutschland. Dann ein Riesenhochschuss und der Aufprall: "Beule", dachte ich. "So, jetzt reichtīs!" Ich, der beste Ball aller Zeiten, plusterte mich und meinen dicken Bauch auf, stelle mich aufrecht hin, zeigte diesem blöden Spieler den Vogel und sagte: "Bei dem pieptīs wohl!"
Dann ging ich mit erhobenem Kopf vom Platz, drehte mich um, steckte den verdutzten Spielern die Zunge raus und ging.

Jetzt überlege ich mir noch mal ganz stark, ob ich nicht den Beruf wechseln sollte, z.B. Rechtsanwalt, da wird doch immer einer gesucht.

Ohne Titel
von Vanessa Thamke

Lena war ein ganz normales Mädchen, das Fußball wie die Pest hasste.

Sie hasste die WM, den dummen Löwen ohne Hosen und auch die Fußball-Hits nervten sie. Kurz vor der WM gewann ihre Freundin zwei WM-Tickets. Und da es Lenas beste Freundin war, erklärte sie sich bereit, sie zum Eröffnungsspiel Costa-Rica-Deutschland zu begleiten.

Dort angekommen, verlor Lena fast die Geduld. Die ganzen bekloppten Fans! Während der zweiten Halbzeit bemerkte Lena den süßen Typen zwei Reihen hinter ihr. Auch er bemerkte sie. Nach etwa 10 Minuten verließ er seinen Platz und ging auf Lena zu. "Hi", sagte er, "Ich heiße Tobi".

Die beiden verstanden sich auf Anhieb prächtig und verabredeten sich in einem Café. Nach drei Monaten waren die beiden ein Paar. Und auch der Umstand, dass Lena Fußball hasste und Tobi es liebte, änderte nichts an ihrer Einstellung zueinander.

Fußball
von Hanns Segelcke

Ich wollte gerade meiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen, dem Fernsehzappen, als ich auf einmal ein Fußballspiel sah. Der Kommentator sprach:

" Eine gute Partie für Bad Salzufflen - oh, was sehe ich da? Der Stürmer mit der Nummer 10 sprintet vor, kriegt einen Pass vom Spieler mit der Nummer 25. Kopfball und Tooooor!!! 3:0 für Bad Salzufflen und der Schiri pfeift das Ende."
Der Trainer, Manager und alle Fans jubeln.

Ich schaltete den Fernseher aus und ging ins Bett, wo ich alles noch einmal träumte.

Ein dickes Fragezeichen
von Niklas Schilling

Es war die Zeit der WM, als Justin einen geheimen Brief bekam.

Er fand am 05.06.1995 im Briefkasten des kleinen weißen Hauses mit dem roten Dach (Parkstraße 55) einen kleinen roten Umschlag, der mit einem Wachssiegel verschlossen war.

Auf einmal riss ihn eine gewaltige Explosion von den Beinen.

Als er wieder aufwachte, lag er in einem weißen Raum - dann wurde er wieder ohnmächtig. Diesmal weckte ihn ein lauter Knall und er lag in einem Transporter, der groß genug war, um darin ein Fußballstadium zu bauen. Erst jetzt bemerkte er, dass seine Hände ein schwaches Glühen hatten.
Plötzlich raste der Transporter in ein schwarzes Loch.

Schweden
von Christina Klotz

Maike wollte zum Tanzen nach Berlin fahren. Es war ihr Lieblingshobby, deshalb nahm sie auch den langen Weg mit der Regionalbahn dafür in Kauf. Allerdings war ihr Bahn fahren manchmal etwas zu hektisch und von Hektik bekam sie immer Schweißausbrüche.

Heute stieg sie in die Bahn ohne zu wissen, dass die Schweden heute in Berlin ein Fußballspiel gegen Paraguay spielten.
In der Regionalbahn war es ruhig und sie las ein Buch. Als sie jedoch am Hauptbahnhof ausstieg, bekam sie beinahe einen Schock. Der ganze Bahnhof war voller schwedischer Fans und nirgendwo war ein Durchkommen.

Maike geriet in Panik, als sie zu den unteren Gleisen des Bahnhofs musste, da dieser Weg sehr lang war. Sie bekam einen ihrer Schweißausbrüche und rannte los. Irgendwie kam sie auch vom Bahnsteig weg, doch in der großen Halle war es nur noch voller. Maike rannte los, kam aber nicht durch die Menschenmassen. Deshalb nahm sie einen Umweg durch Geschäfte und wich so den Fans aus.
Als sie die Rolltreppe erreicht hatte, musste Maike eine Weile warten, bis sie unten war. Dort ging sie schnell weiter, denn ihr Zug kam gleich und sie musste sich beeilen. Doch sie hatte Glück und bekam nur noch ein paar schwedische Fahnen ins Gesicht.

Als sie im Zug saß, nahm sie beruhigt wieder ihr Buch in die Hand und las weiter.
Das nächste Mal würde sie in die Zeitung gucken, ob ein Spiel in Berlin ist. Vor allen Dingen, wenn Schweden spielt.