Weihnachtsgeschichten schreiben

Weihnachten Wenn es draußen kalt und dunkel ist, macht es besonders viel Spaß, sich Geschichten auszudenken und anschließend gegenseitig vorzulesen. In unserer Schreibgruppe genießen wir die Freude am Erzählen natürlich das ganze Jahr über und dennoch ist die Weihnachtszeit immer etwas ganz Besonderes. Aber woher sollen immer neue Ideen kommen?

Zum Beispiel aus Zeitschriften.
Nein, vom Abschreiben ist hier nicht die Rede, sondern von der Kunst, quasi im Vorübergehen Inspirationen zu sammeln.

Verschneite Landschaften, wunderschön arrangierte und fotografierte Weihnachtsbäckereinen, erwartungsvolle Kinder, geheimnisvolle Menschen - all das lässt sich in jeder x-beliebigen Zeitschrift finden. Auch die zahlreichen Prospekte, die im Advent ins Haus geschneit kommen, bieten manch ergiebiges Motiv. Zu einer Weihnachtsgeschichte kommt man z.B. auf diesem Wege:

Weihnachten Stufe 1: Bilder sammeln.
Stufe 2: Ausschneiden und dem Kontext entfremden.
Stufe 3: Fundstücke "ausstellen".
Liegen alle Fundstücke ausgebreitet auf dem Tisch, fällt in Sekundenschnelle die Entscheidung für die passende Inspirationsquelle. Die Geschichte schreibt sich dann fast von selbst.

Nur 30 Minuten haben Jessica und Christina benötigt, um die Geschichten zu schreiben, die wir Ihnen hier präsentieren. Lassen Sie sich überraschen, welche Ideen x-beliebige Zeitungsausschnitte hervorrufen können. Beide Autorinnen verraten darüber hinaus ihre ganz persönlichen Rezepte für ein schönes Weihnachtsfest.

Schreibbegeisterte Menschen ab 12 Jahren sind herzlich eingeladen, sich zum nächsten Schreibgruppentreffen in der Wilhelmstraße 4 einzufinden. Wir schreiben von 16.30-18.30 Uhr. Bitte anmelden unter jmichaudpr@aol.com oder 03322 - 25 49 12.


Zimtsterne
von Christina Klotz

Es war am 1. Advent.
Marie wollte wie jedes Jahr Plätzchen backen. Dieses Mal wollte sie Zimtsterne machen. Also fing sie an den Teig anzurühren und begann danach, die Sterne auszustechen. Während die Plätzchen im Ofen immer brauner und knuspriger wurden, ging Marie zu ihrer Mutter Anna ins Wohnzimmer.

Weihnachten "Was ist das eigentlich für ein Zimt", fragte Marie. "Ich habe ihn auf dem Trödelmarkt gekauft", antwortete ihre Mutter. "Der sieht richtig lecker aus", meinte Marie. Anna nickte und sagte "Deshalb habe ich ihn ja auch gekauft."

Eine Stunde später holte Marie die Plätzchen aus dem Ofen. Sie dufteten wunderbar nach Zimt. "Ich will auch welche!" jammerte Maries kleiner Bruder Thomas. "Ja, gleich. Sie müssen erst noch abkühlen," sagte Marie zu ihm. Dann stellte sie die beiden Backbleche auf denn Küchentischen und ging mit Thomas aus der Küche. Beim Hinausgehen schloss sie die Tür zur Küche, damit nicht gleich das ganze Hause nach Zimt roch. Eine halbe Stunde später ging sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder in die Küche. Ihr Vater und ihre Mutter gingen voran und das war das Glück für Marie und ihren Bruder! Denn ihren Eltern wurde jeweils ein heißes Backblech ins Gesicht geschlagen und sie fielen bewusstlos zu Boden.

"Muhaha!" lachte eine piepsige Stimme. Marie und ihr Bruder wichen entsetzt ein Stückchen zurück. Dann kam eine Lawine Zimtsterne, die Gesichter hatten, aus der Küche. An der Spitze der Plätzchentruppe lief ein kleiner, dicker Zimtstern, der etwas Schnurbartartiges im Gesicht hatte. "Überwältigt sie!" schrie der Zimtstern mit seiner piepsigen Stimme. Marie und ihr Bruder stürmten die Treppe hoch und in Maries Zimmer hinein. Dann stopften sie den Türspalt schnell zu und hofften, dass dies reichen würde. Nach fünf Minuten gab es jedoch ein lautes "RRRRumms" und die Tür fiel aus den Angeln.
Die Zimtsterne, manche ein wenig zerbröselt, kamen hinein. Marie und Thomas zwängten sich in eine Ecke, während sich der Plätzchenanführer vor sie stellte. Dann begann er zu reden.

Weihnachten "Das ist der Anfang unserer Invasion. Der Trödelmarkthändler verkauft überall den verzauberten Zimt und wir Zimtsterne werden uns selber backen und immer mehr werden - Muhaha! Wir werden euch Menschen vernichten und an die Macht kommen, nachdem ihr uns jahrelang gedemütigt und aufgegessen habt!"
"Aber wie seid ihr denn zum Leben erwacht?", fragte Marie leise.
"Es gibt eine alte und seltene Zimtsorte, die fast ausgestorben ist. Dieser Zauberzimt erweckt uns zum Leben. Der dumme Trödelmarkthändler stammt aus der letzten Familie, die diesen Zimt besitzt. Er weiß nicht, wie gefährlich er ist und verkauft ihn, um Geld zu verdienen. Aber jetzt genug geredet. Kameraden, zerknirscht sie!" Und langsam kamen die Plätzchen auf Marie und Thomas zu. Sie konnten nicht weglaufen und die Sterne kamen näher und näher. Da hörte Marie ein leises Piepsen, das immer lauter wurde. Das Zimmer mit den Plätzchen verschwand und Marie befand sich in einem dunklen Raum. Doch nach ein paar Sekunden fiel ihr Blick auf einen Wecker, der piepste und sie dachte erleichtert "Gott sei Dank! Nur geträumt."
Aber Zimtsterne wollte sie trotzdem nicht mehr backen. Man kann ja nie wissen.


Traurige Weihnachten
von Jessica Hornemann

Weihnachten Es war der 23.12.1992 als Bellatrix wieder einmal in ihrem Bett hockte und Tagebuch schrieb.
Böses Tagebuch! Ich habe mal wieder Migräne. Woran das liegt?
"Woran das liegt, fragst du mich?" schrie sie.
Das tat sie immer. Sie fragte ihr Tagebuch Sachen und dann stellte sie sich wie eine Gestörte die gleiche Frage noch einmal selbst, nur dass sie sich dabei selbst anschrie.

" Na ganz einfach", schrieb sie, "morgen ist Weihnachten und ich hasse Weihnachten! Dieses ganze dumme Familiengetue,dieses fröhliche Weihnachtsgesinge auf den Straßen, ich kann es einfach nicht mehr hören!", schrieb sie, schmiss ihr Tagebuch in eine Ecke und ging sauer auf die Straße, um kleine Kinder mit Schnee zu bewerfen.Draußen spielten viele Kinder friedlich miteinander und an der Ecke stand der Kirchenchor und sang Weihnachtslieder.

"Verschwindet!" schrie sie und warf viele Schneebälle zum Kirchenchor und zu den Kindern.
"Hey! Es ist Weihnachten!!" sagte ein schwarzhaariger Junge.
"Lass mal Enrico,es gibt auch Kreaturen, die sogar an Weihnachten merkwürdig sind!" gab ein frech aussehendes Mädchen zurück.
"Ja, aber es an friedlichen Kindern auslassen nur weil man selbst keine Familie hat, ist echt das Letzte!" sagte Enrico.
"Ich habe gesagt verschwindet! Ihr und euer blödes Weihnachten!" schrie Bellatrix,die langsam sauer wurde. "Ja ja, erzähle du nur,komm Tialda gehen wir." fügte Enrico hinzu,zog das Mädchen mit sich und ging lachend davon.

Bellatrix zog sich wütend in ihr kleines altes Häuschen zurück. "Diese nervtötenden Biester, denen werd ich es schon noch zeigen!" meckerte sie laut, doch dann wurde sie ruhig, es stimmte, sie hatte keine Familie. Ihren Vater kannte sie nicht, sie hatte auch nie nach ihm gefragt und er hatte sie auch nie interessiert. Ihre Mutter hatte sie einfach vor 9 Jahren, da war sie 5, sitzen gelassen. Seitdem hätte sie sich eigentlich selbst versorgen müssen, wäre da nicht eine alte böse Dame gewesen, die ihr Essen und Trinken gab und ihr ein wenig lesen,schreiben und rechnen beibrachte. Diese alte Dame war gewiss kein Engelchen, sie war sehr streng und manchmal, wenn Bellatrix nicht hörte, wurde sie sogar von ihr geschlagen.

Weihnachten Zu Weihnachten oder zu Ostern war die alte Dame immer irgendwo ein über den Durst trinken, weil auch sie, so vermutete Bellatrix, eine schlechte Vergangenheit gehabt haben musste. Deshalb hatte Bellatrix nie erfahren, was Freude oder Liebe ist. Sie hatte nie Geschenke bekommen, nie wurde sie mal in den Arm genommen und getröstet wenn sie mal weinte. Und genau das war der Grund, warum sie Weihnachten so hasste.
"Das Fest der Liebe, paah!" schimpfte Bellatrix, dann legte sie sich wütend in ihr Bett und schlief ein.