Harmlos, „hard-boiled“ oder finster:
Krimis schreiben will gelernt sein

Krimis schreiben? Kann doch jeder! Das meint man vielleicht angesichts der vielen Krimis im Fernsehen. Tatort, Täter und Ermittler – die grundlegenden Elemente kennt schließlich jeder. Und dennoch: Wer Krimis schreiben möchte sollte sich zunächst einmal mit den grundlegenden Subgenres und deren Erzählelementen beschäftigen.

Der Detektiv Entwickelt wurden Krimis aus klassischen Detektivgeschichten, (lat.: detegere = aufdecken), einer Textgattung, in der es ursprünglich darum ging, Recht und Ordnung wieder herzustellen. Sherlock Holmes, Miss Marple und Hercule Poirot gehören zur harmloseren Variante des Genres, zu den sogenannten Whodunit-Krimis. Der Name kommt von „Who´s done it“ und bezeichnet den klassischen Rätselkrimi. Typisch ist hierbei, dass der Leser mit dem Ermittler um die Wette kombiniert, wer warum welches Verbrechen beging. Das Verbrechen steht zu Beginn der Geschichte und es kommt nur eine Handvoll möglicher Täter in Betracht.Der Polizist
Die zweite große Kategorie ist der Hard-boiled-Krimi. Ein Privatdetektiv, Versicherungs- oder Polizeidetektiv klärt im Rahmen einer actionreichen Handlung ein Verbrechen auf. Meist sind es in dieser Gattung Amateure, die auf Verbrecherjagd gehen, Motive und Umstände klären und dabei selbst in Gefahr geraten. Typisch für dieses Subgenre sind eine realistische Sprache mit lebendigen Rededuellen sowie die Verwendung sozialkritischer Elemente. Die Ursache des Bösen steckt im System, lautet die Botschaft. In diesem Subgenre kann man also nicht davon ausgehen, das am Ende das Gute grundsätzlich siegt.
Hinter Gitter Das gilt auch für die sogenannten Noir Krimis. Dieses Subgenre unterscheidet sich von den Hard-boiled-Krimis dadurch, dass der Ermittler und seine Persönlichkeit eine größere Rolle spielen als in den anderen Krimis. Oft sind die Ermittler kaputte Typen, vom Leben enttäuscht und selbst nicht ganz frei von gesetzeswidrigen Handlungen. Manchmal sind sie in der Wahl ihrer Mittel weder zimperlich, noch grundsätzlich anders als die Ganoven, denen sie das Handwerk legen möchten. Bei diesen Krimis gibt es kein Happy End. Selbst wenn der Fall gelöst wird, bleiben die zerstörerischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Strukturen unverändert. Verbrechen wird in diesem Subgenre als die finstere Seite der menschlichen Existenz dargestellt.

Beim jüngsten Schreibgruppentreffen lautete die Aufgabe, sich eines dieser Subgenres auszusuchen und aus einer Reihe vorgegebener Elemente eine genretypische Geschichte zu machen. Wie immer fanden die Schreiber spannende wie vielversprechende Einstiege – die Überarbeitungen stehen noch aus.

Wer Lust hat, sich mit unterschiedlichsten Schreibaufgaben und Textgattungen zu beschäftigen, ist herzlich eingeladen zum kostenlosen Schreibworkshop der SEND. Wir treffen uns wieder am Freitag, den 25. Juni, um 16.30 Uhr, in der Wilhelmstraße 4. Anmeldung unter schreiben@michaudpr.de oder 03322 – 25 49 15.