Ohne Moos nichts los?

Ein Leben ohne Geld – wäre das jetzt gut oder schlecht? Wären plötzlich alle Menschen ärmer oder wären alle reicher? Müssten wir auf viele Errungenschaften verzichten, die uns lieb und teuer sind? Oder müsste man „nur“ andere Organisationsformen finden? Solche Fragen beschäftigten uns beim September-Schreibworkshop – eine ziemliche Denksportaufgabe, wie sich herausstellen sollte.

Zum Aufwärmen zückten wir erst einmal Marker, Schere und Klebstift und rückten einem Stapel von Tageszeitungen zu Leibe. Gesucht wurden Begriffe, die im weiteresten Sinne mit Geld zu tun haben. Steuern, Finanzkrise, Elterngeld, Sonderangebot und co. wurden anschließend zu Textcollagen verarbeitet, die augenzwinkernd belegten, wie allgegenwärtig Geld in unserem Leben ist. Dann wurde es ernst.

„Ein Tag in einer Gesellschaft ohne Geld“ lautete die große Schreibaufgabe des Tages und wie immer konnten nach 45 Minuten interessante, witzige und überraschende Geschichten vorgelesen werden.

Welt ohne Geld, Welt ohne Zeit: Jessica vereinte in ihrer Geschichte gleich zwei Utopien. Leider erwies sich die Menschheit auch unter solch traumhaften Bedingungen nicht wirklich als friedlich und die Protagonistin der Geschichte erwachte letztlich erleichtert aus einem zwiespältigen Traum.

In der zweiten Geschichte regelte der Staat das geldlose Leben. Vom Arbeitseinsatz über die Vergabe von getragener Kleidung bis hin zur Berechnung, ob die Straßenbahn benutzt werden durfte, oder ob es den Bürgern zumutbar war, zu Fuß zu gehen, war dort alles vorgeschrieben. Ohne Geld kein Platz für Individualität? Nach Zufriedenheit klang Euandras Utopie eher nicht!

Die dritte Autorin berichtete über ein fiktives Experiment, in dem eine Gruppe von Menschen eine Gesellschaft auf Tauschhandel aufbaue sollten. Leider erwies sich dieses Experiment als viel zu kompliziert und musste abgebrochen werden, als der Unmut unter den Teilnehmern so groß wurde, dass ein Aufstand befürchtet wurde.

Das Recht des Stärkeren herrschte in einer weiteren Geschichte. Dort war zwar alles kostenlos zu haben, aber nur für die Schnellsten. Wer zuerst kam, erhielt die besten Waren. Allerdings fehlte eine Vorstellung, wer die Waren produzieren sollte, denn Arbeit war in diesem Staat nicht vorgesehen.

Die eindeutige Mehrheit der Texte spiegelte ein also trauriges Bild vom Leben ohne Geld. Vor allem war es geprägt von Verzicht und den Texten war anzumerken, dass ihre Autorinnen daran wenig Gutes finden können. Nur ein einziger Text spielte mit der Vorstellung, die Vereinten Nationen hätten, ausgelöst durch die Ereignisse in Griechenland, endlich eine Lösung gefunden, die Schätze dieser Erde gerecht und umweltfreundlich zu verteilen. In diesem Text war es sogar gelungen, die Lebensbedingungen auf den Kontinenten zur Zufriedenheit aller anzugleichen. Anstelle von Geld war Vertrauen das wertvollste Gut der Menschen und das musste täglich in kleinteiligen Aktionen neu erworben werden. Größtes Ansehen genoss in dieser globalen Utopie, wer Erfindungen zum Wohle der Allgemeinheit entwickelte.